Dora Diamant Biografie

Kafka und Dora Diamant

 

Die Biografie Dora Diamants

Dora Diamant, bis heute noch eher wenig wahrgenommen, war die Lebensgefährtin Franz Kafkas im letzten Jahr seines Lebens. Es war eine grosse Liebe. Kafkas Traum einer Vereinbarkeit von Schreiben und Leben - und das bedeutetete für Kafka vor allem auch die Begründung einer Familie - schien mit Dora möglich.

Die Biografie der amerikanischen Autorin Kathi Diamant, ist das Zeugnis einer bemerkenswerten Frau. Dora Diamant (1898-1952) stammte aus einer orthodoxen ostjüdischen Familie. Sie rebellierte gegen Ihren strengen Vater und wurde Schauspielerin. Über Breslau führte ihr Weg nach Berlin. Franz Kafka lernte sie im Juli 1923 bei einem Ferienaufenthalt in Müritz an der Ostsee kennen. Kurze Zeit später lebte das Paar, sie war 25 Jahre alt, er 40, zusammen in Berlin. Ein spätes und unerwartetes Erlebnis für Kafka, der bis zu dieser Zeit noch nie mit einer Frau zusammen gelebt hatte. Neben den anderen Frauenfiguren in Kafkas Leben wurde Dora Diamant bisher wenig gewürdigt – wenn nicht gar verkannt. Dabei hatte Sie, auch im Zusammenhang mit ihrer ost-jüdischen Herkunft, eine grosse Nähe zu dem »Geschmack« und Gefühl des Denkens Franz Kafkas.
Die Biografie von der amerikanischen Autorin Kathi Diamant (nicht verwand mit Dora Diamant) zeigt auch in Ihrem Leben nach dem Tod Kafkas eine ebenso starke wie tiefe Persönlichkeit. Auch in der späteren Korrespondenz mit den Freunden Kafkas wurde deutlich: Sie hat Kafka geliebt und verstanden.

 

 

In der Kafka-Rezeption ist Dora Diamant eher im Hintergrund geblieben. Es ist nun an der Zeit diese bedeutende Frau zu erinnern. Aufgrund Ihres ausser- gewöhnlichen und bewegten Lebens - aber vor allem auch als eine Zeugin eines noch kaum wahrgenommenen Franz Kafka.
Bei aller Vielfalt und Fülle der Schriften, Interpretationen und Studien zu Kafka: Es ist möglich, daß bestimmte Gesichtspunkte, oder besser: ein wesentlicher »Geschmack des Denkens« des Prager Autors noch im Hintergrund geblieben ist.

Es ist zunächst der Kafka der Freunde, den wir mit unseren Veröffentlichungen erinnern. Mit den Aussagen und späteren Schriften von Felix Weltsch und Max Brod entsteht ein Bild, daß von dem gängigen abweicht. Es ist der »Zürauer« Kafka, der Kafka der Aphorismen, der Kafka, der vor Lachen nicht mehr weiterlesen konnte, wenn er etwa die »Verwandlung« erstmalig seinen Freunden beim wöchentlichen Treffen vortrug, es ist der Kafka, der in der Kunst der Aporie und dem Paradox doch auch immer noch einen Bezug zu einem »positiven Dritten« suchte, es ist der Kafka, der sich nicht scheute in einer weitausholenden Bezugnahme zu allen Narrativen auch einen Begriff wie »Glauben« zu befragen. Es ist der Kafka der seinen Freunden in den 20 Jahren des Zusammenlebens meist heiter begegnete.
Auch die Biografie Dora Diamants weist in diese Richtung; ihre bisherige Verkennung ist Teil einer Verkennung Kafkas.

 


 

 

Auszug aus: Reiner Stach
Kafka. Die Jahre der Entscheidungen
(c) S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main 2002
 
     

 

Kathi Diamant   -   Die amerikanische Autorin von »Kafkas last Love«

   
     

Die amerikanische Autorin Kathi Diamant begegnete dem Namen Dora Diamant als junge Studentin in einem Kafka-Seminar an der San-Diego University. Der Dozent fragte sie, ob sie mit Dora Diamant verwandt sei. Sie verneinte, kann es aber bis heute nicht ausschließen. Seit dieser Zeit beschäftigt sich Kathi Diamant intensiv mit der bedeutenden Frau aus Bedzin.

Im Zuge der Arbeit begründete Sie auch das »Kafka Projekt«.  Es widmet sich der Suche von Notizbüchern und Aufzeichnungen Kafkas, die bei einer Hausdurchsuchung in der Wohnung Dora Diamants durch die Gestapo konfisziert wurden.

 

Kathi Diamant

   
         
Die amerikanische Originalausgabe    Kafkas last Love    

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