Christian Röse
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Schere
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Gedichte FRAGEN CLARA SCHUMANN sind es die Rädchen in den Fingergliedern die Saiten die sich nah der Elle ziehn sag Robert rasch wo reichen diese Stränge hin ist alles Tasten mir nicht hart geworden wenn ich den Tee beende wird es kalt darin sind all die Kinder nicht wie selten still wie deine Mutter glaubst du denn mein Vater hat uns nicht alle endlos aufgezogen KANADA 1977 (Rabid) am dreißigsten Tage entstaubten die Armknospen sprossen entsprossen der Fliehburg entbunden bis ist eine Rose ist ein Dorn und Durst; der Mann darin darin der Junge spielt der Körper spricht äußerst undeutlich spricht er vom Sehnen |
X I. Julia, Singvögel zerren dir an der Sonde der Syrinx sind Tag und Nacht einsilbig schon hörst du noch es wird mir gesagt dass meine Organe schrumpfen unter Planeten erhebt dich die Waagschale deine Organe weisen weit über dich hinaus ein Herz ein Uterus für jede Einzelne die du nicht bist die nicht auch du bist im System dass gut kaut schluckt verdaut in Kreisen orbital um Sphärenlärm Julia, schwebst du nicht füllig die Knochen noch erdigen dich Sprühregen letzter Lipide II. es wird mir gesagt meine Leber verkümmert wächst niemals mehr nach wie das Schnabelhorn wächst unentwegt biegt sich und kreist um umkreist dich ein Hunger allein kreist er dich nicht ein keine Kette hält deine Gefäße nur Pharmakon zerrt weiter erdwärts wärmt Urflaum dich nicht, Säuger Joule, aus der Eiszeit im Kernschatten frierst du: zwischen deinen Herz- die Flügelschläge warmblütig fächert schwärmt sonnt Pyrotechnik heult aufwärts auf federleicht strahlenden Wegs das allfeiertägliche Schwinden das höchste und höher getragen im Mundstück im Schnabel am Haken das ist nicht ein Singvogel III. Julia, schwindet der Mond dir der dunkle es wird mir gesagt lang bin ich nicht besiegt Mond sagt dir nichts nicht der Herr dein Arzt Werksarzt liebt Altrosa junger Organe verspricht spricht mit deinen mit deinem Arzt liebt alle Namen Julia? nimm ihn nicht ab |
![]() Christian Röse (Foto von Julia Holtkötter) Christian Röse, geboren 1980 in Neheim, Nordrhein- Westfalen, wohnt und arbeitet in Berlin; Studium der Psychologie. Literaturförderpreis der Stadt Dortmund 2002 Der Gedichtband »Schere« ist seine erste Einzelveröffentlichung. Vorwort von Alexander Nitzberg Gefragt nach seinen Interessen, nannte Christian Röse einmal die Kryptozoologie. Und kommentierte, dies sei eine von den Akademikern nicht akzeptierte Disziplin, die sich mit der Suche nach ausgestorbenen mythischen Tierarten beschäftigt. Dabei verschwieg er, daß die Lektüre seiner Gedichte den anderen Zweig derselben Wissenschaft bildet. Spätestens unter dem Mikroskop erweisen sie sich als obskure Hybriden, teils fossil, teils noch vegetierend, teils bereits dem Prozeß der Fermentation ausgesetzt. Selbstverständlich haben solche Zellverbindungen nicht immer die Schönheit eines Goldfisches oder eines Wellensittichs. Und doch sind sie nicht minder lebensfähig. Und auch wenn nicht jeder ihnen in seiner Wohnung ein Mikroklima einrichten will, die Poesie beherbergt sie dennoch in ihrem Reservat. Denn es sind beachtenswerte Exemplare dichterischer Sezier- und Transplantationskunst. Und es wäre zu wünschen, daß sie der eine oder andere Forscher der zeitgenössischen Lyrik bei seinen Ausgrabungen entdeckt und ihnen einen guten Nährboden bietet. Düsseldorf, März 2006 |
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Christian Röse - Schere
Christian Röse, geboren 1980 in Neheim, Nordrhein- Westfalen, wohnt und arbeitet in Berlin; Studium der Psychologie. Literaturförderpreis der Stadt Dortmund 2002
Der Gedichtband »Schere« ist seine erste Einzelveröffentlichung.Hörprobe:Mehr erfahren18,50 €inkl. 7% MwSt.
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