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Ferdinand Scholz - Ocktavenmännchen Sissimo

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Vorwort
von Alexander Nitzberg

Für manch einen sind Gedichte Texte auf Papier. Sie transportieren Gedanken und Gefühle oder handeln von wichtigen Dingen. Nicht so für Ferdinand Scholz. Seine Gedichte sind selbst Dinge. Wichtig wie Zahnstocher, Preßlufthammer oder Umluftpumpe. Und Dichten ist nicht Schreiben, sondern Herstellen. Ganz im Sinne des griechischen poiein, das im Wort »Poesie« steckt. Nicht umsonst heißt Scholzens erster Band mit Poesie »Wichtige Gedichte«.

Doch im »Ocktavenmännchen Sissimo« treibt er es noch auf die Spitze. Schärfer denn je tritt das rauhe, ungehobelte Klangmaterial, aus dem die Verse gehämmert sind, an die Oberfläche. Größer denn je die Gefahr, sich an der einen oder anderen rhythmischen Kante zu stoßen. Natürlich nur für jene Herrschaften, welche da glauben, Gedichte seien Texte auf Papier. Dem aber ist nicht so, wie sich jeder leicht überzeugen kann.

Was soll dann dieses Buch? ? Nichts weiter als Verpackung.

Düsseldorf, März 2006

Hörprobe:

Ferdinand Scholz - Ocktavenmännchen Sissimo

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Details

Dichtung ist erhabener Unfug. Denn sie fügt sich nicht in die gemein(schaftstiftend)e Kommunikation des apriorischen So isses. / Sarrichdoch!. Anders gesagt: In ihr vermittelt in eben dem Maße, wie der Dichter sich selbst durch die Sprache vermittelt, die Sprache sich selbst durch den Dichter. Beide gewinnen aneinander Gewissheit. Oder verlieren sie durcheinander. Das Ausmaß der poetischen Möglichkeiten ist bestürzend. Sie setzen den Dichter in den Stand, die Sprachdschungel und -wüsten von den Rändern her räuberisch zu durchstreifen. Diese Ränder sind da, wo die Kohärenz des sprachlichen Zeichens nicht gewährleistet ist, in den vorsprachlichen Artikulationen, den semantischen Interferenzen, den sprachgeschichtlichen Sedimenten ? sie sind überall, wo die krude Magie eines unbestimmten Allsinns herrscht. Das Zentrum der Sprache ist da, wo Diskurs und Konsens ineins fallen, wo der sanfte Terror eines allbestimmenden Unsinns herrscht, wo das schwarze Loch der Kommunikation jede Artikulation verschlingt. In diesem unwegsamen Gelände legt der Dichter sich auf die Lauer, um in der Sprache zu wildern, getrieben von dem Drang nach Anverwandlung all dessen, was zwischen Rändern und Zentrum unterwegs ist, dem Material der Dichtung. Anders gesagt: Vor dem Sprung in die Sprache ist die Lauer, vor dem Ursprung der Dichtung ist der Kalauer. Mithin: Die Dichtung ist ein seltsames Spiel. Also doch eher ein ganz schöner Unfug.

Zusatzinformation

ISBN 978-3-939511-00-7
Audioformat Nein
Verpackung / Einband Klappenbroschur mit Audio CD
Limitierte Edition Nein
Gewicht 238
EAN 9783939511007
Textform Gedichte
Lieferzeit 2-3 Tage

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