Ferdinand Scholz
| Oktavenmännchen Sissimo Gedichte ISBN 978-3-939511-00-7 Buch mit Audio CD (Autorenlesung) 132 Seiten, Laufzeit der CD 35:12 Min / 18,50 € Auszüge aus der Autorenlesung Go West Stalins Meerschweinchen Mythologie: Geländespiel Gedichte Go West Hohe Berge dicke Menschen Landschaft Landschaft Butterkrem Jodelchips in allen Kellnern Braun das sanfte Aug der Kuh Kinderteller detonieren Silberhell und glockenrein Alpenglühn und schwere Euter Riegenführer sehnsuchtssatt ... Wandrer der du das nicht abkannst Wandre nach Amerika Da ist alles alles alles Alles anderst ist es da. Dicke Berge hohe Menschen Butterkrem nur subkutan Aus den Kellnern stilles Glänzen Jodeln nicht ? das tut die Kuh Nur die spacken Kinder platzen Alle Teller bleiben heil Glüht was sind das nicht die Alpen Und auch sonst ist es okay Stalins Meerschweinchen Im unnennbaren Jahr Siebenunddreißig Hockte die ganze Zeit Stalins Meerschweinchen in seinem Stall Und dachte nach. Natürlich ist nichts dabei herausgekommen. Wie auch. |
Mythologie: Geländespiel Ich stromerte durchs haltlose Gelände Kunterbunt durcheinandergewürfelt Genossenschaftsblocks Fettchemie Bauernklitschen Baggerfabrik Nichtmal befestigte Straßen überall. Da hatte der tagtägliche Güternah- und Fernverkehr (Büssing Henschel Opel-Blitz) Tüchtig was zum Drüberrumpeln, Bei Trockenheit pulverte die Hochofenschlacke So richtig in die Baumwollgardinen. Meistens aber fisselte es oder sonstwie Kam das Wolkengebläh Auf den Boden der Tatsachen zurück. Dann leckten aus den rumpelnden Riesendieseln Fraktale Regenbögelchen in den nassen schwarzen Schmadder. Da hatte ich dieses Trümmerreich Zwischen dem Volksschulgatter und der düsteren Obstwiese. Als Eingang ein kolossaler Holunderbusch. Wie gut dessen geschmeidige Zweige Mit dem weichen Mark Vom stumpfen Klappmesser sich schneiden Und zu Flitzebogen verarbeiten ließen. Damit schoss es sich allerliebst Auf klebrige Flaschen Durchgerostete Konservendosen Eimer voll verschlammter Ölfarbe Zwischen Soden und Quecken Trümmerstauden Brombeeren Wild gewordenen Gartenblumen. Auch eine schmächtige Weide Ein verkrüppeltes Apfelbäumchen gab es. Alles, was hier wuchs, war jung. In diesem haltlosen Gelände War mein Arizona, wo ich indianerte Zwischen Mustangfröschen und Büffelmäusen, Pfeil und Bogen immer dabei. Wo ich Kämpfe bestand Gegen die knochigen blonden Jungs Mit dem ostelbischen Patois. In diesem haltlosen Gelände War mein Aricina, wo ich entlaufener Sklave war Wo ich den Mond tagsüber sah. Die Diana, die hier regierte, Muss eine Phorkide gewesen sein. |
Statement |
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Ferdinand Scholz - Ocktavenmännchen Sissimo
Vorwort
von Alexander Nitzberg
Für manch einen sind Gedichte Texte auf Papier. Sie transportieren Gedanken und Gefühle oder handeln von wichtigen Dingen. Nicht so für Ferdinand Scholz. Seine Gedichte sind selbst Dinge. Wichtig wie Zahnstocher, Preßlufthammer oder Umluftpumpe. Und Dichten ist nicht Schreiben, sondern Herstellen. Ganz im Sinne des griechischen poiein, das im Wort »Poesie« steckt. Nicht umsonst heißt Scholzens erster Band mit Poesie »Wichtige Gedichte«.
Doch im »Ocktavenmännchen Sissimo« treibt er es noch auf die Spitze. Schärfer denn je tritt das rauhe, ungehobelte Klangmaterial, aus dem die Verse gehämmert sind, an die Oberfläche. Größer denn je die Gefahr, sich an der einen oder anderen rhythmischen Kante zu stoßen. Natürlich nur für jene Herrschaften, welche da glauben, Gedichte seien Texte auf Papier. Dem aber ist nicht so, wie sich jeder leicht überzeugen kann.
Was soll dann dieses Buch? ? Nichts weiter als Verpackung.
Düsseldorf, März 2006Hörprobe:Mehr erfahren22,80 €inkl. 7% MwSt.
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