Ludwig Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein

 


 

 

„Mit dem philosophischen Blick auf die Welt, der dem künstlerischen verwandt ist, verbindet sich eine Haltung, in der Mystisches und Ethisches zusammenkommen. Wenn der Philosoph sich den Geschehnissen der Welt zuwendet, soll er dem Wunderbaren in ihr gerecht werden, er soll ihr Achtung entgegenbringen. Wenn man Wittgensteins Beschreibungen der Sprache folgt, sieht man die Welt und die Sprache in einem neuen Licht.“ (Gunter Gebauer)

 

Diese Haltung, so schildert Gunter Gebauer in dem – von ihm komponierten, mit Ulrich Matthes gesprochenen  und gemeinsam mit dem Deutschlandfunk realisierten – Hörbuch,  Ludwig Wittgenstein. Im Fluss des Lebens und der Sprache, musste sich Ludwig Wittgenstein – österreichisch-britischer Philosoph, der am 26. April 1889 in Wien geboren wurde und am  29. April 1951 in Cambridge verstarb – erst erobern. Denn eigentlich hatte er, gerade 29-jährig, in seinem einzigen zu Lebzeiten publizierten Werk Tractatus logico-philosophicus mit der Philosophie abgeschlossen und ihr den Rücken gekehrt. Er hatte gemeint und gezeigt: Die Philosophie ist an ihr Ende gekommen.

Wie sehr er sich geirrt hatte, wird Wittgenstein erst zehn Jahre später, nach seiner Zeit als Lehrer und kurzzeitig Gärtnergehilfe bewusst – in der Zeit, als er sich mit dem Bau des Hauses für seine Schwester Magarete befasst. Mit dieser am Räumlichen orientierten Tätigkeit gewinnt Wittgensteins Denken eine neue Dimension, die ihn dazu bewegt, das Philosophieren wieder aufzunehmen und an das Trinity College in Cambridge zurückzukehren.

Hier tritt Wittgenstein (ab 1929) in einen intensiven Gedankenaustausch mit Piero Sraffa und Raffaelo Piccoli, zwei italienischen Wissenschaftlern aus dem Kreis um Gramsci. Von ihnen erhält er wesentliche Anregungen für seine Arbeit an den Grundzügen eines auf die menschliche Handlungspraxis bezogenen Denkens. Wittgenstein gewinnt eine Auffassung von der Philosophie, die das Philosophieren selbst als eine Praxis versteht. Zeichen  erhalten ihre Bedeutungen in einem gemeinsamen praktischen Handeln: durch den Gebrauch der Sprache.

Im Kontext des praktischen Handelns gibt es keine festen Zuordnungen von Bedeutungen zu Zeichen und damit auch keine Eindeutigkeit der Sprache, wie sie im Tractatus gefordert worden war. Ebenso wie Gebärden praktisch ausgeführt werden müssen, damit sie Bedeutung erhalten, müssen Gedanken ausgedrückt werden, damit man ihren Gehalt erkennen kann. Wittgenstein spricht nun nicht mehr wie noch im  Tractatus von ihrer logischen Struktur und ihrer abbildenden Beziehung zur Welt.

Mit dieser tiefgreifenden Veränderung in Wittgensteins Denken verändern sich auch seine Schriften. Sie erhalten einen handlungspraktischen und einen ethischen Charakter. In den Philosophischen Untersuchungen wird dies deutlich. Hier werden die Leser in regelrechte Übungen eingeführt. Sie werden in der Fähigkeit unterrichtet, dort eine Handlungspraxis zu erkennen, wo es scheinbar ausschließlich um eine theoretische Beschäftigung zu gehen scheint. Sie üben bereits eine andere Praxis, während sie die niedergeschriebenen Gedanken rezipieren.


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Gunter Gebauer, Jahrgang 1944, ist Professor für Philosophie und Sportsoziologie an der Freien Universität Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte  liegen in den Bereichen Ästhetik, Anthropologie, Sprach- und Sozialphilosophie. Seit den Anfängen gilt Gunther Gebauers leidenschaftliches Interesse dem Philosophen Ludwig Wittgenstein.  
 

 

Link-Tipps und Lektüre-Empfehlungen zu Ludwig Wittgenstein:

 

Philosophisch Interessierte könnte auch der Artikel: Wittgensteins philosophische Wende weiterführenden Hinweise geben.

 

Die Seite der Internationalen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft e. V. (ILWG) bietet vor allem Wissenschaftlern relevante Informationen zu Tagungen, Neuerscheinungen etc. zu Wittgenstein. Auch interessante Textmaterialien finden sich hier: www.ilwg.eu/

 

Unsere Lektüre-Empfehlung: Wittgensteins anthropologisches Denken, von Gunter Gebauer. Verlag C.H. Beck, 287 Seiten, Paperback



 


 

         
  1. Ludwig Wittgenstein. Im Fluss des Lebens und der Sprache.

    Ludwig Wittgenstein. Im Fluss des Lebens und der Sprache.

    Ein Hörbuch von Gunter Gebauer. Sprecher: Ulrich Matthes und Gunter Gebauer
    1 CD (62 Min.) im Digipack


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