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Haben sie in Kassel keinen Freund, der sich dort auf der Bibliothek umtun könnte, ob keine alten Liedlein dort sind, und der mir dieselben kopieren könnte?«, erkundigte sich Clemens Brentano in einem Brief vom 22.06.1806 bei seinem Schwager, dem Rechtshistoriker Friedrich Carl von Savigny. Savigny empfahl zwei seiner ehemaligen Studenten: Jacob und Wilhelm Grimm. Die beiden Hofbibliothekare zu Kassel waren Brentano schon von der Zusammenarbeit an »Des Knaben Wunderhorn«, der Volksliedersammlung von Brentano und Achim von Arnim bekannt.  Clemens Brentano Auf die Aufforderung Brentanos hin, begannen die Brüder Grimm – auch der Bruder Ferdinand Grimm wurde zunächst hinzugezogen – mit der Sammeltätigkeit. Es ging ja zu Beginn nicht an erster Stelle um Märchen, sondern zunächst weiterhin um Lieder für einen zweiten Wunderhorn-Band und allgemein um Sagen und volksläufige Prosa. Ein Großteil der Prosa, Sagen und Liedersammlungen wurde, und auch von daher waren die Grimms als Kasseler Hofbibliothekare für diese Aufgabe ideal, aus Buchexzerpten gespeist. Bei den Märchen allerdings war noch in stärkerem Maße die, schon langsam auslaufende »oral tradition«, die mündliche Überlieferung, Quelle für die ersten handschriftlichen Aufzeichnungen von 1810. Die Grimms aber zogen nicht selbst Märchen sammelnd übers Land; sie hatten Zuträger – und das waren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zumeist Frauen aus dem gutsituierten Stadtbürgertum wie Friederike Mannel, Pfarrerstochter aus Allendorf, die auch schon als Beiträgerin für das Wunderhorn zugearbeitet hatte, Dorothea Wild, Apothekersgattin, Tochter des Göttinger Philosophieprofessors Gesner, die drei Schwestern der Familie Hassenpflug und die der Familie Droste-Hülshoff. Diese jungen Frauen haben mit ihren Niederschriften den Grundstock für mehr als zwei Drittel der Märchensammlung geliefert. Heinz Rölleke, der vielleicht größte Kenner der Grimm'schen und der romantischen Kunstmärchen zu dieser Tatsache: »Das Märchenerzählen war in Deutschland zu einer Domäne der Frauen geworden, was für Auswahl und Art der Tradierung von nicht zu unterschätzender Tragweite ist.« In dem Mileu des gebildeten Bürgertums des Biedermeier, dem die Grimms und ihre Zuträgerinnen ja zugehörten, war man natürlich in besonderem Maße der Prüderie verpflichtet. Man kann also vermuten, dass die Märchen an dieser »Schnittstelle« einiges von ihrer volkshaften Direktheit, Derbheit und Lebensnähe eingebüßt haben, denn nicht nur bei der Niederschrift durch die Zuträgerinnen, sondern auch schon bei den diesen Erzählenden, z. B. den Knechten und Mägden des Hassenpflug'schen Gutshofes, wird, aus Rücksicht auf die Zuhörerinnen, so einiges ausgefiltert, abgeschwächt und verschwiegen worden sein. In welch feinsinnige Sublimationsstufen der Sinnlichkeit die Grimms dann noch in der Folge der KHM-Ausgaben (Kinder- und Haus-Märchen) von 1812 bis 1857 vorzudringen wussten, – dazu mehr in dem Essay über Bedeutung und Interpretation der Märchen. »In diesen Liedern fühlt man den Herzschlag des deutschen Volkes. Hier offenbart sich all seine düstere Heiterkeit, all seine närrische Vernunft. Hier trommelt der deutsche Zorn, hier pfeift der deutsche Spott, hier küßt die deutsche Liebe.« Heinrich Heine zu »Des Knaben Wunderhorn« »(…) Einer jener guten Zufälle aber war die Bekanntschaft mit einer Bäuerin aus dem nahe bei Cassel gelegenen Dorfe Zwehrn, durch welche wir einen ansehnlichen Teil der hier mitgeteilten, darum ächt hessischen Märchen, so wie mancherlei Nachträge zum ersten Band erhalten haben. Diese Frau, noch rüstig und nicht viel über funfzig Jahre alt, heißt Viehmännin, hat ein festes und angenehmes Gesicht, blickt hell und scharf aus den Augen, und ist wahrscheinlich in ihrer Jugend schön gewesen. Sie bewahrt diese alten Sagen fest in ihrem Gedächtnis (…); dabei erzählt sie bedächtig, sicher und ungemein lebendig mit eigenem Wohlgefallen daran, erst ganz frei, dann, wenn man will, noch einmal langsam, sodaß man ihr mit einiger Übung nachschreiben kann: Manches ist auf diese Weise wörtlich beibehalten, und wird in seiner Wahrheit nicht zu verkennen sein. Wer an leichte Verfälschung der Überlieferung, Nachlässigkeit bei Aufbewahrung, und daher an Unmöglichkeit langer Dauer, als Regel glaubt, der müßte hören, wie genau sie immer bei derselben Erzählung bleibt und auf ihre Richtigkeit eifrig ist; niemals ändert sie bei einer Wiederholung etwas in der Sache ab, und bessert ein Versehen, sobald sie es bemerkt, mitten in der Rede gleich selber.« (Wilhelm Grimm über Dorothea Viehmann)  Dorothea Viehmann Aber, bei aller Begeisterung; wenn Frau Viehmann in dem Märchen »Der gelernte Jäger« (KHM 111) unbefangen erzählt: »Er kommt in das dritte Zimmer, wo die Königstochter selbst liegt, aber nackt; er (…) legt sich dann zu ihr (…). Als sich hernach zeigt, daß sie schwanger ist …«, so meint Wilhelm Grimm dann doch abwandeln zu müssen: »da kam er in das Zimmer, wo die Königstochter lag und schlief, und sie war so schön, daß er still stand, sie betrachtete und den Atem anhielt (…) und sie war ganz in ihr Hemd eingenäht, da schnitt er auch ein Stückchen von dem Hemd ab, (…) doch tat er das alles, ohne sie anzurühren.« Am 17. Oktober 1810 konnten die Grimms das erste Paket gesammelter Texte an Clemens Brentano schicken. Dieser hatte sich die Bearbeitung und Veröffentlichung der Texte ausdrücklich vorbehalten. Aber der Dichter hatte wohl das Interesse an der Sammlung verloren und als auch zwei Jahre später noch keine Veröffentlichung durch Brentano abzusehen war, ermutigte Achim von Arnim die Grimms, doch selbst, insbesondere die Märchen, zur Drucklegung zu bringen. In dem KHM-Vorwort schrieben die Grimms später über Achim von Arnim: »Er war es, der uns, als er in jener Zeit einige Wochen bei uns in Cassel zubrachte, zur Herausgabe angetrieben hatte (…). Von unsern Sammlungen gefielen ihm diese Märchen noch am besten. Er meint wir sollten nicht allzu lange damit zurückhalten, weil bei dem Streben nach Vollständigkeit die Sache am Ende liegen bliebe.« Von dem Textkonvolut, das an Brentano gegangen war, hatten die Grimms Abschriften anfertigen lassen, und so konnte, an Brentano vorbei, zu Weihnachten 1812 in einer ersten Auflage von 900 Stück die Textsammlung unter dem Titel: »Kinder- und Haus-Märchen. Gesammelt durch die Brüder Grimm. Berlin, in der Realschulbuchhandlung« erscheinen. .jpg)
Achim von Arnim Zu einem Verkaufserfolg wurde diese erste Edition allerdings nicht. Später wurde ein Teil der ersten Auflage wieder eingestampft. Es war dann Wilhelm Grimm, der in den folgenden Ausgaben von 1812–1857 die Märchentexte ausformte und literarisierte, kurz: den Märchenton entwickelte, der die Grimm'schen Märchen zu dem erfolgreichsten deutschsprachigen Buch aller Zeiten, ja zu dem nach der Bibel weitverbreitetsten Buch überhaupt hat werden lassen. Jacob Grimm hatte ein eher philologisch-wissenschaftliches Interesse an den Märchen; seiner Persönlichkeitsstruktur eher entsprechend, wandte er sich der Arbeit an dem Monumentalwerk »Das deutsche Wörterbuch« zu. Ein Werk, das bis heute Schriftstellern und Dichtern wie z. B. Rainer Maria Rilke als anregendes Kompendium diente. Neben Wilhelm Grimms sicherem Gespür und seiner tiefen Intuition für Bedeutung, Sinngehalt und Sprachgestaltung der Märchen war aber, und das wird bis heute kaum gewürdigt, die Literarisierung der Märchen »Der Fischer und seine Frau« und »Der Machandelboom«, die der Maler Philipp Otto Runge schon fünf Jahre früher an Brentano und Achim von Arnim als seinen Beitrag zu der »Wunderhorn«-Sammlung gesandt hatte, als Vorbild für eine gelungene Literarisierung von erzählter Volksliteratur von großer Bedeutung. Sowohl Brentano als auch Achim von Arnim, als er im Jahre 1812 die Grimms zu der ersten Ausgabe ermutigte, führten die Niederschriften von Runge als vorbildlich an. Brentano in einem Brief aus dem Jahr 1813 an von Arnim: »Grimms Märchen habe ich vor einigen Tagen gekauft (…) das Ganze macht mir weniger Freude als ich gedacht (…). Warum die Sachen nicht so gut erzählen, als die Rungeschen erzählt sind? Sie sind in ihrer Gattung vollkommen.« (Anfang 1813 an Arnim) Die Erzählungen, so wie sie uns beinahe wie »lebende Bilder« vertraut sind, gehen in der Regel auf die von Wilhelm Grimm besorgte Ausgabe letzter Hand von 1857 zurück. Wie irritiert sind wir, wenn wir die vertrauten Gestalten plötzlich in ganz anderen Ausprägungen kennenlernen: »Es war einmal ein Graf und eine Gräfin, die fuhren zusammen, und fuhren an drei Haufen weißem Schnee vorbei, da sprach der Graf: ich wünschte mir ein Mägdlein, so weiß wie Schnee. Sie fuhren weiter und kamen an drei Gruben voll rothen Blutes, da wünschte der Graf und sprach: hätte ich ein Mädchen, mit so rothen Wangen, als dieses Blut! Bald darauf flogen drei kohlschwarze Raben vorüber und der graf wünschte wiederum ein Mädchen, so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und schwarz wie Raben. Zu allerletzt aber begegnete ihnen ein Mädchen, so weiß wie Schnee, so roth wie Blut und so schwarz wie Raben, und dies war Schneweißchen. Der Graf ließ es sogleich in die Kutsche sitzen, aber die Gräfin hatte es nicht gern. Und die Gräfin wußte sich nicht zu helfen und ließ endlich ihren Handschuh zum Schlag hinaus fallen und befahl dem Schneweißchen solchen aufzuheben. – Wie es nun ausgestiegen war, so rollte der Wagen in größter Geschwindigkeit fort. (…)«  Der Einband der ersten Auflage der KHM von 1812
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In welcher Form in der Folge der KHM-Ausgaben die Texte durch die Hand Wilhelm Grimms eine kunstvoll literarisierende Ausfaltung bis hin zu dem charakteristisch Grimm'schen Märchenton erfahren haben, kann sehr schön die Synopse der Anfangsszene des »Froschkönig« aufzeigen. 1812: »Es war einmal eine Königstochter, die ging hinaus in den Wald und setzte sich an einen kühlen Brunnen. Sie hatte eine goldene Kugel, die war ihr liebstes Spielwerk.« 1819: »Es war einmal eine Königstochter, die wußte nicht was sie anfangen sollte vor langer Weile. Da nahm sie eine goldene Kugel, womit sie schon oft gespielt hatte und ging mit ihr hinaus in den Wald. Mitten in dem Wald aber war ein reiner kühler Brunnen, dabei setzte sie sich nieder.« 1857: »In den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat, lebte ein König, dessen Töchter waren alle schön, aber die jüngste war so schön, daß die Sonne selber, die doch schon so vieles gesehen hat, sich verwunderte, sooft sie ihr ins Gesicht schien. Nahe bei dem Schlosse des Königs lag ein dunkler Wald, und in dem Walde unter einer alten Linde war ein Brunnen; wenn nun der Tag recht heiß war, so ging das Königskind hinaus in den Wald und setzte sich an den Rand des kühlen Brunnens; und wenn sie Langeweile hatte, so nahm sie eine goldene Kugel, warf sie in die Höhe und fing sie wieder; und das war ihr liebstes Spielwerk.«  Jakob und Wilhelm Grimm Dass die Märchen in dem Dunstkreis des Biedermeier aber auch eine zunehmende Sentimentalisierung erfahren haben – die Diminutive und Einfügungen christlich-frömmlerischen und pädagogisch-moralisiernden Inhalts nehmen zu –, und vor allem, dass alle – doch schon übervorsichtigen – erotischen Andeutungen noch weiter sublimiert wurden, war allerdings nicht immer zum Besten der Erzählungen; ja man muss sagen, dass dadurch ihre Bildsprache oft eher verschleiert, verrätselt wurde. So verrät in der Ausgabe von 1912 Rapunzel die heimlichen Besuche des Prinzen im Turm mit ihrer Schwangerschaft: »Sag mir doch Frau Gothel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.« – In der Ausgabe von 1919 schwächte Wilhelm Grimm ab: »Sag mir doch Frau Gothel, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge König, der ist in einem Augenblick bei mir«; und darf die dann endlich verheiratete junge Königin in der Ausgabe 1812 noch in ehelichen »Freuden« leben, bleiben ihr 1819 immerhin noch »Glück und Frieden«. 1812: »So lebten sie (Rapunzel und der Prinz) lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und die Fee kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: ›Sag mir doch Frau Gothel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.‹ ›Ach du gottloses Kind‹, sprach die Fee (…)«. 1819: »So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und hatten sich herzlich lieb, wie Mann und Frau. Die Zauberin aber kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: ›Sag mir doch Frau Gothel, sie wird mir viel schwerer heraufzuziehen als der junge König.‹ – ›Ach du gottloses Kind‹, sprach die Zauberin.« Wie verstiegen die Sublimierung des Erotischen bei den Grimms war, zeigt ein Beispiel aus dem Dornröschen. 1812 noch »küßte« der Prinz das schlafende Dornröschen – 1819 hat er ihr »einen Kuß gegeben«, und in der letzten Ausgabe von 1857 nur noch »mit dem Kuß berührt« .  Jacob Grimm
Nebenbei: der Italiener Giambattista Basile hatte keine Last mit den feinsinnig-deutsch-biedermeierlichen Sublimationsstufen. In »seinem« Dornröschen, im 17. Jahrhundert im Pentamerone veröffentlicht, steigt der Prinz, nachdem er Dornröschen entdeckt hat, gleich über die Schlafende und begattet sie. Als Beispiel für eine christliche Relativierung von Märchenbildern, sei eine Stelle aus »Der Gevatter Tod« angeführt. Als sich der liebe Gott dem verarmten Vater für sein 13. Kind zum Gevatter anbietet, antwortet ihm dieser: »… ich will dich nicht zu Gevatter, du gibst den Reichen und läßt die Armen hungern.« Wilhelm Grimm fügt mit dem Zusatz: »So sprach der Mann, weil er nicht wußte, wie weislich Gott Reichtum und Armuth verteilt …« eine bemühte Theodizee, eine Rechtfertigung Gottes ein.  Wilhelm Grimm
Die stereotype Veränderung aber, die am stärksten die inneren Bilder der Märchen zu verschleiern scheint und den ursprünglichen Sinngehalt verrätselt, ist die Erfindung der bösen Stiefmutter. Als offensichtlich zu irritierend hatten die Grimms es empfunden, dass in den tradierten Erzählungen die leibliche Mutter selbst zugleich auch die verwünschende, misshellige Zauberin, Konkurrentin und Neiderin war. Und obwohl sie, zumindest in der Anfangszeit der Redaktion, auf eine möglichst genaue Erfassung der Volkserzählungen Wert legten, hatten die Brüder keine Bedenken, den Müttern eine Stiefmutter zur Seite zu stellen, die dann die bösen, malignen Anteile der Mutterimago übernehmen mussten. In einer früheren Version des Schneewittchens heißt es: »Darüber konnte es die Frau Königin nicht mehr leiden, weil sie die schönste im Reich wollte sein. Wie nun der Herr König einmal in den Krieg verreist war, so ließ sie ihren Wagen anspannen, und befahl in einen weiten dunklen Wald zu fahren, und nahm das Schneeweißchen mit. In demselben Wald aber standen viel gar schöne Rosen. Als sie nun mit ihrem Töchterlein daselbst angekommen war, so sprach sie zu ihm: ach Schneeweißchen steig doch aus und brich mir von den schönen Rosen ab! Und sobald es diesen Befehl zu gehorchen aus dem Wagen gegangen war, fuhren die Räder in größter Schnelligkeit fort, aber die Frau Königin hatte alles so befohlen, weil sie hoffte, daß es die wilden Thiere bald verzehren sollten.« Andererseits zeugt die »dritte Person der Stiefmutter und Zauberin« auch von einem intuitiven Rückgriff auf weit zurückliegendene Ursprünge der Märchenbilder. Die alte Frau des Dorfes, die Schamanistin oder Heilkundige spielte in früheren dörflichen Lebensräumen bei der Initiation der heranwachsenden Mädchen, beim Ausgang der prägenitalen Phase, im Rahmen ritualisierter Loslösungen von der leiblichen Mutter – meist in im Dorf abgesetzten Häusern oder Hütten – eine wichtige Rolle. So trägt z. B. die »Frau Gothel« des Märchens »Rapunzel« in der handschriftlichen Version von 1810 noch deutliche Züge dieser alten Frau, in deren Hände die Initiantinnen gegeben wurden. Trotz der Verschlimmbesserungen aber, die auch zum Teil Reaktionen auf direkte Kritik aus dem biedermeierlichen Umfeld waren, ist es sicher nicht falsch, zu sagen, dass erst über die Ausformung durch Wilhelm Grimm in den Jahren 1812–1857 der spezifische, suggestive Märchenton der Kinder- und Haus-Märchen entstanden ist, oder wie es der Wuppertaler Märchenforscher Heinz Rölleke formuliert: »Indem die Brüder Grimm den alten Märchenton suchten, schufen sie Ihn unvermerkt. Ich glaube aber auch, dass Grimms Märchen gerade durch die weitgehende Sublimierung vom Sinnlich-Realen diese starke, traumnahe Suggestion entfalten konnten. Die jedem Menschen immanente Sehnsucht nach einer integrativen Liebe und Angstlosigkeit, inkarniert, verdichtet in dem Bild des Paares, symbolisiert in der Hochzeit; – der Traum des Hieros Gamos ist es wohl auch, der die Menschen aller Altersstufen in weiten Teilen der Welt in den Märchen der Brüder Grimm so stark anrührt. (…)«
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