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„Vom Ende der Welt“ – Música Chilena

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In der Reihe „Die Musik Südamerikas neu entdecken“. Zusammengestellt, kommentiert und vorgetragen von Krzysztof Wiernicki. 4 CDs (295 Min.) im DigiPack.

Musica Chilena

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Details

Das Ende der Welt begann für das Volk der Aymara bereits in Zentralchile. Woher sollten sie, im Norden des heutigen Chile lebend, wissen, dass im Süden, hinter der wüstenheißen Atacama, Leben wieder möglich war? Sie ahnten nichts von jenen Menschen, die am vermeintlichen Ende der Welt ihre eigene Kultur geschaffen hatten. Die Mapuche im Süden vermuteten im Norden ebenfalls keine lebenden Zeitgenossen. Zwischen beiden Kulturen kam es offenbar nie zum Kontakt. Bis heute verbindet sie nichts. Nur in der Música Chilena finden sie zusammen. Elemente beider frühgeschichtlichen Indianerkulturen animieren jetzt wieder zeitgenössische Komponisten. Nicht allein auf Aymara und Mapuche beschränken sich die Einflüsse. Música Chilena lässt sich mit dem Blick in ein Kaleidoskop vergleichen: Vielfältig bunt wie das verwirrend gespiegelte Muster, so zahlreich sind ihre Wurzeln.

Der chilenische Tenor Jose Quilapi lebt diese Vielfalt und macht sie zugleich lebendig. Der berühmteste Mapuche des Landes studierte in Berlin, mit Meisterkursen bei Dietrich Fischer-Dieskau. Quilapi, heute Professor für Gesang, beherrscht aber nicht nur das klassisch europäische Repertoire eines Opern- und Liedsängers. Quilapi komponiert z.B. geistliche Musik mit Mapuche-Elementen. In der auf religiösen Festen gespielten Musik mischen sich Klänge und Melodien heidnischer wie christlicher Herkunft. Sei es bei Karnevalsumzügen oder Prozessionen zu Ehren von Heiligen – mancherorts fließt beides ineinander. Etwa in La Tirana, eines von Chiles bedeutendsten religiösen Festen.

Der Autor diese Hörbuchs, Krzysztof Wiernicki, begibt sich diesmal, wie schon in Brasilien („Brasilien ohne Samba“, onomato Verlag), auf eine musikalische Spurensuche. Der Autor erzählt Musikgeschichte, wie sie Reisende erleben können. In Valparaiso und Santiago de Chile hört und sieht er Chinchineros – Straßenmusikanten, die mit artistischen Einlagen für Applaus und Lohn auftreten. Der Hörer wird gewissermaßen im Plauderton mit verschiedenen traditionellen Genres chilenischer Musik vertraut gemacht. Einen Ehrenplatz reserviert der Autor dem musikalischen Heiligtum Chiles, der Cueca – so geliebt wie umstritten. Oder: Welche Bedeutung hatten in Santiago die Tertulias? Welche Musik wurde in den Chinganas gespielt? Welche Ziele verfolgte die „Sociedad de la Igualdad“ in der Gründungszeit der chilenischen Republik? Die feiert 2010 übrigens ihren 200. Jahrestag!

Der Autor macht Hörer bekannt mit Isidora Zegers. Die Grande Dame der chilenischen Musik gilt zugleich als Symbolfigur für die kulturelle Emanzipation Chiles. So gründete die Zegers zusammen mit Jose Zapiola Cortés die erste Musikzeitschrift Chiles „El Semanario Musical“. Mit José Bernardo Alzedo als Drittem im Bunde weist sie dem chilenischen Musikleben die Richtung durch das ganze 19. Jahrhundert. Die Wurzeln der sogenannten „Música Docta“ (E-Musik) finden sich in der Kathedrale von Santiago. Dort entwickelte sich aus spanisch-peruanischen Impulsen Chiles Barockmusik. Über Theater, Operette, Oper und Zarzuela suchten Komponisten auf eigenen Wegen den Übergang zur Sinfonik. Viele Komponisten Chiles kamen zwar aus Europa, ihre Kompositionen folgten auch treu der europäischen Tradition, aber in der alten Welt wollte sie niemand hören. Und als wiederholte sich Geschichte: Música Chilena assoziieren viele deutsche Hörer mit dem sogenannten „Nueva Canción Chilena“. Ihnen bleibt die musikalische Vielfalt Chiles verschlossen. Der Nueva Canción Chilena spielt deshalb im vorliegenden Hörbuch die seiner musikhistorischen Bedeutung entsprechende Rolle. Auf der Hör-Reise durch Chiles musikalische Landschaften sollten Europäer das auf dem alten Kontinent kaum bekannte, das andere Chile kennenlernen. Namen, Stile, Werke erschließen sich fast wie auf einem bunten Band. Der Autor präsentiert Musik, die zu Unrecht in den global gängigen Programmen so gut wie nicht existiert. „La Sociedad Bach“ und die „Grupo de los Diez“ vertreten dabei das 20. Jahrhundert. Die beiden Musikinstitutionen wurden zum Nukleus chilenischer Kultur. Ihr denkwürdiges Engagement spiegelt sich in den Stücken zeitgenössischer Komponisten wider. Sie überraschen mit gewagten Themen, Formen und Stilen. So folgt auch „Música Chilena“ dem programmatischen Untertitel der Hörbuchreihe: „Die Musik Südamerikas neu entdecken“.

Lassen Sie sich vom Autor mit Neugier und Freude durch dieses musikalisch unbekannte Land führen. Vielleicht mit der gleichen Neugier und Freude, die ihn auf seiner Spurensuche immer wieder auf neue Fährten lockten.



Bitte beachten Sie auch die Themen-Seite zu diesem Hörbuch.

Zusatzinformation

ISBN 978-3-939511-93-9
Audioformat 4 Audio-CDs / 295 Min.
Verpackung / Einband DigiPack
Limitierte Edition Nein
Gewicht 148
EAN 9783-939511939
Textform Anthologie
Lieferzeit 2-3 Tage

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