Abendländische Mystik
Abendländische Mystik
Der Begriff der Mystik ist seit seinem relativ späten Aufkommen im 17. Jahrhundert(1) nicht unproblematisch, vor allem weil er, so wie er landläufig verwendet wird, weit und unscharf bleibt. Dazu trägt heute zudem nicht wenig auch eine kommerzielle „Esoterik“ bei, die an einer gewissen Diffusion dieses Begriffs sogar ein Interesse zu haben scheint. So versteht man unter „Mystik“ gegenwärtig über weite Strecken eine Art Seelen-Wellness. Dies wird den eigentlichen Absichten vieler Mystiker kaum gerecht – ein Missstand, der insbesondere auch negative Auswirkungen auf die Darstellung mystischer Traditionen im Hörbuchbereich hat. Für die Konzeption dieser Reihe greifen wir sozusagen als „Grundgerüst“ auf jene Definition des Mystikbegriffs zurück, welche der in Jena lehrende evangelische Theologe Volker Leppin in einer kürzlich veröffentlichten Einführung zur Mystik vorgeschlagen hat. Nach der Feststellung, dass bezüglich der genannten aktuellen Probleme einer treffenden Begriffsklärung auch die gewöhnlichen etymologischen Annäherungen – über griech. mysterion (= Geheimnis) und griech. myein (= sich verschließen, die Sinne verschließen) – keinen durchschlagenden Erfolg versprechen, heißt es bei Leppin, indem dieser sich zunächst auf den literaturwissenschaftlichen Ansatz abendländischer Mystikforschung von Kurt Ruh(2) beruft: „Ruhs Grundgedanke war, dass man bei allen definitorischen Schwierigkeiten eine gewisse Einigkeit über einen bestimmtem Bestand an mystischen Schriften erzielen könnte. Und von diesem vortheoretischen Konsens ausgehend könne man dann, so der Gedanke Ruhs, ein literarisches Geflecht bestimmen, in dem weitere Schriften mit diesen sicher mystischen so verbunden seien, dass er nicht bei der Frage einsetzt, was mystisch ist, sondern welche Schriften, bzw. Autoren als mystisch angesehen werden: So wird die Gefahr vermieden, dass die Katze sich definitorisch in den Schwanz beißt, indem am Ende die aufgrund eines Vorverständnisses getroffene Phänomenauswahl das Vorverständnis nur mehr oder minder bestätigt.“(3) Leicht ist natürlich bei einem so formulierten Vorgehen zu erkennen, wo dieses eine entscheidende Frage offen lässt, nämlich an der Stelle des anfänglichen Konsenses und in diesem Zusammenhang bei der Frage, nach welchem Wahrheitskriterium dieser zustande kommen soll. Man könnte angesichts der somit aufkommenden Frage nach den Prinzipien mystisch wahrer Aussagen treffend Meister Eckhart zitieren, wenn dieser am Ende seiner Predigt „Beati pauperes spiritu“ sagt „ [...] so- lange der Mensch dieser Wahrheit nicht gleicht, solange wird er diese Rede nicht verstehen. Denn es ist eine verhüllte Wahrheit, die da gekommen ist aus dem Herzen unmittelbar.“ (Pred. 53, DW II, 506,1–3)
Bislang erschienenes Hörbuch: |
In diesem Sinne definiert Leppin Mystik schließlich als eine zumindest momenthaft erfahrene Aufhebung der göttlichen Transzendenz durch Introspektion, durch Innenschau. Dass es hier vornehmlich um Innenschau geht, heißt aber nicht, dass das so Geschaute einer vernünftigen Reflexion entzogen wird. Gerade dieses gilt für Eckhart und einen Großteil der abendländischen Mystik nicht.(4)
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Die Reihe wird betreut und herausgegeben
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Meister Eckhart: Traktate und Predigten
Auswahl von Traktaten aus den »Reden der Unterweisung« und aus dem Deutschen Predigtwerk. Übersetzt von Josef Quint, ausgewählt von Marco A. Sorace, gesprochen von Axel Grube. 1 CD-A (67 Min.) in preisgünstiger Ausgabe
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Meister Eckhart: Trostbuch / Vom edlen Menschen
Textauswahl mit kurzen Einleitungen von Marco A. Sorace und Dietmar Mieth. Gelesen von Axel Grube. 1 CD-A (69 Min.) in preisgünstiger Ausgabe.
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Eckhart (um 1260–1328), Aus einer Münchner Handschrift von Meister Eckharts Reden der Unterweisung

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