Franz Josef Czernin - elstern. versionen

Franz Josef Czernin - elstern. versionen
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Vorwort
von Alexander Nitzberg

Eigentlich ist es beinahe überflüssig, den Elstern im Titel Versionen beizufügen. Denn das englische else ist in den Elstern kaum zu überhören. Doch schwingen in den Versionen Verse mit. Vielleicht hat sich Franz Josef Czernin deshalb dafür entschieden.
Elstern haben in der deutschsprachigen Lyrik Tradition. Schon Wolfram von Eschenbach spricht von ihnen, um das Changieren der Farben und Eigenschaften anzudeuten. Und dies ist der Kern der Czerninschen Alchemie: Ob eigene, ob fremde Gedichte, immer wieder löst er sie in der geistigen Ursubstanz auf und giest sie um ? von Retorte zu Retorte.
Original? Übersetzung? Die Frage verliert ihren Sinn. Erweist sich höchstens als juristische Haarspalterei, nicht als ein Problem der Kunst. Czernins Elstern schmücken sich nicht mit fremden Federn. Fremdes und Eigenes ist in ihnen stets mitenthalten. Manchen Sonetten sind zusätzlich andere Übertragungen von Hanno Helbling oder August Wilhelm Schlegel hinzugesellt ? als mögliche Zwischenstationen in diesem unaufhaltsamen und alles miteinbeziehenden Formungs- und Umformungsprozeß, den der Dichter selbst hartnäckig als »Schwall« bezeichnet. Ein riskantes, aber treffendes Wort: In ihm hört Sprache auf, jenes Mittel der Kommunikation zu sein, das nicht zugleich eine Substanz mit der Aussicht ist, Naturgewalt zu werden.

Düsseldorf, März 2006

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